Nano ganz groß bei Glioblastom-Kongress
in Miami

miami florida biscayne bay city skyline and shimmering ligths at night in 2009

Neue Hoffnung für Glioblastom Patienten versprechen die neuesten Studienergebnisse von Nanopartikeln präsentiert am 19th Annual Scientific Meeting and Education Day of the Society for Neuro-Oncology in Miami, Florida am 16. November 2014.

Ein Fortschritt oder doch wieder nur ein Tropfen auf dem heißen Onkologiestein?

Nanopartikel waren für kurze Zeit eine hochgepriesene Neuerung. Ob in Sonnencremen, Zahnpasten oder Ketchup, den Reinigungsmitteln, ebenso wie in Textilien, selbst in der Wandfarbe – überall waren diese mikroskopisch kleinen Teilchen zu finden. Es dauerte allerdings nicht lange, da kamen erste Zweifel über die Sinnhaftigkeit und den damit verbundenen Nutzen auf. In der Folge wurden Studien initiiert, die die toxische Wirkung der Nanoteilchen zu bestätigen suchten.

Durch das Potential die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und so in Organe zu gelangen, in denen sie Schäden induzieren können, wurde der Nutzen zum Risiko und die Nanotechnologie bekam einen deutlich negativen Aspekt.

Nanopartikel können aber mehr – so zum Beispiel Trinkwasser von Arsen reinigen oder Krebs bekämpfen. Letzteres ist auch das Ziel der 1997 in Berlin gegründeten und mittlerweile an der Frankfurter Börse gelisteten Firma MagForce AG. Bei diesem speziellen Verfahren (NanoTherm Therapy) werden Eisenoxid-Nanopartikel direkt in das maligne transformierte Gewebe eingebracht und mittels Magnetfeld in Schwingung versetzt, wodurch diese Hitze erzeugen. Die Krebszellen sterben entweder ab oder werden zumindest für eine weiterführende Therapie sensibilisiert. Aus den bislang erhaltenen Studienergebnissen an rezidivierenden Glioblastomen lässt sich eine effektive Wirkung bei geringsten Nebenwirkungen erkennen. Neueste Daten wurden jüngst am 19th Annual Scientific Meeting and Education Day of the Society for Neuro-Oncology in Miami, Florida vom 13. bis 16. November 2014 präsentiert.

Interessant ist in diesem Zusammenhang für mich, dass bereits seit geraumer Zeit erste positive Resultate von mit verschiedenen Chemotherapeutika umhüllten Nanopartikeln publiziert wurden, welche die Blut-Hirn-Schranke passiert haben und in vergleichsweise hohen Konzentrationen zu einer intravenösen Verabreichung des Medikaments ohne Kopplung nachgewiesen werden konnten. Da bei manchen dieser Experimente ebenso magnetische Eisenoxidpartikel verwendet wurden, wäre es vielleicht in absehbarer Zukunft möglich, die NanoTherm Therapy auch mit chemischen Substanzen zu kombinieren um die Heilungsmöglichkeiten weiter zu erhöhen.

Weiters stelle ich mir die Fragen, was mit den im Gehirn verbleibenden Nanoteilchen nach erfolgreicher Behandlung passiert – werden diese von Mikrogliazellen gemeinsam mit den abgetöteten Zellen entfernt oder verbleiben sie an der implantierten Stelle und kommt es etwa mit zeitlicher Progression zu einer Translokation in umgebendes Gewebe? Außerdem: welchen Effekt können dann schwache Magnetfelder – wie sie beispielsweise bei Mobiltelefonen vorkommen – auf den Patienten haben?

Allen derzeit noch unbekannten Faktoren dieser modernen Therapieform ist entgegenzuhalten, dass es trotz intensivster Forschungstätigkeit noch immer kaum behandelbare Tumor-Erkrankungen gibt und genau hier verspricht dieses Verfahren Hilfe und Schwerkranken (Karnovsky-Index ≥60) Hoffnung – und wenn es nur ein kleinstes Partikelchen ist…

Verfasser: Dr. Carmen Ranftler und Herbert Pachler, MSc.

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